„Jederzeit besuchsfähig zu sein: dies ist das comme-il-faut der Intelligenz!“

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Der österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer (1896-1966) zählt zweifellos zu den außergewöhnlichsten Romanciers des 20. Jahrhunderts. Die Originalität seines Werks ist kaum zu überschätzen, strotzen seine Romane und Erzählungen doch nur vor ausgefallenen und einmaligen sprachlichen Finessen und Skurrilitäten, die dem Leser die Möglichkeiten der Literatur eindrucksvoll vor Augen führen. Doderers Prosa ist eindringlich, humorvoll und in seiner formalen und inhaltlichen Vielfalt ein Ausdruck dichterischer Einbildungskraft.

Doch ist Doderer bei einem internationalen Lesepublikum noch immer relativ unbekannt. Obwohl sich die Forschung bereits seit den 60er-Jahren intensiv mit seinem Werk auseinandersetzt, ist Doderer kein vielgelesener Autor. Dabei ist die dürftige Rezeption seines Werks nicht nur den vielen prominenten Kritikern und Literaturwissenschaftlern zu verdanken, die Doderer als konservativen und reaktionären Schriftsteller stigmatisierten, da er dem etablierten Begriff der Moderne nicht zu entsprechen schien. Es ist vor allem die außergewöhnliche Komplexität seines Werks, die das Lesen seiner Romane zu einer Herausforderung macht: Doderer fordert von seinen Lesern, sich der Sprache und den zahlreichen Eigenarten seiner Sprache zu öffnen, die verschiedenen Bedeutungsebenen zu entschlüsseln und das Gelesene vor allem kritisch zu reflektieren. Er setzt zugleich ein ständiges Wiederlesen seiner Texte voraus, sind die zahlreichen Anspielungen, Mehrdeutigkeiten, ironischen Brechungen und vor allem die vielen Querverbindungen innerhalb seines Gesamtwerks nicht ohne Weiteres zu verstehen. Seine Romane und Erzählungen lassen sich zwar naiv und kulinarisch lesen, doch sind sie zugleich sperrig und nicht selten befremdlich. Kurz: Nicht jedem Leser öffnet sich sein Werk bereits während der ersten Lektüre und es verwundert nicht, dass sich selbst der aufgeschlossenste Leser von der Prosa des ebenso einzigartigen wie merkwürdigen Autors abschrecken lässt.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns das Ziel gesetzt, Doderer einem breiteren Lesepublikum näher zu bringen, indem wir sein Werk von verschiedenen Seiten beleuchten, Zugänge schaffen und vor allem den Einstieg in seine Romane und Erzählungen erleichtern. Neben allgemeinen Informationen zu Leben und Werk des Autors, bieten wir allen Interessierten ein umfangreiches Lexikon, in dem alle wichtigen und zentralen Aspekte seines Werks prägnant und leicht verständlich beleuchtet werden. Dabei sind wir bemüht, eine Schnittstelle zwischen der Doderer-Forschung und den Doderer-Lesern zu schaffen, um jedem die Möglichkeit zu bieten, sich eingehender mit seinem Werk auseinanderzusetzten.

db